Wenn Der Transporteur Nicht Greift Und Den Stoff Verschiebt

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Dampf, Zug und Geduld statt heißem Eis

Eine große Tischdecke zu säumen ist eine Geduldsarbeit, bei der die Länge der Kante zur Falle wird. Je länger die Naht, desto stärker wirken sich kleine Spannungen aus. Schon ein halber Millimeter Dehnung pro Zentimeter summiert sich bei zwei Metern Saumlänge auf mehrere Zentimeter, die irgendwo verschwinden müssen. Deshalb beginnt die Arbeit nicht an der Nähmaschine, sondern am Bügelbrett: Der Stoff wird zuerst gewaschen, getrocknet und gründlich gebügelt, damit er seine endgültige Form findet. Erst danach wird zugeschnitten. Wer diesen Schritt überspringt, säumt eine Decke, die nach dem ersten Waschen kürzer ist als der Tisch breit.

Bevor die Maschine überhaupt eingeschaltet wird, lohnt sich die Vorbereitung. Der Stoff sollte vor dem Zuschnitt leicht gedämpft werden, damit er sich nicht während des Nähens zusammenzieht. Eine dünne Nadel der Stärke 70 oder 80 ist für feine bis mittlere Stoffe die richtige Wahl; bei sehr dehnbaren Materialien empfiehlt sich eine Jersey- oder Stretch-Nadel. Der Oberfaden und der Unterfaden müssen zur Stoffart passen. Ein zu dicker Faden in einer dünnen Nadel drückt das Material auseinander und begünstigt Wellen zusätzlich.

Wer alle Einstellungen geprüft und gereinigt hat und immer noch keinen gleichmäßigen Vorschub erreicht, sollte die Maschine von einer Fachkraft überprüfen lassen. Oft liegt es an einer verstellten Transporteurhöhe, einem defekten Zahnrad oder einer ausgeschlagenen Lagerung. Eigenmächtiges Biegen oder Unterlegen improvisierter Teile verschlimmert das Problem meist. Regelmäßige Wartung, passende Nadel und korrekter Nähfußdruck lösen in den meisten Fällen das Verschieben des Stoffes zuverlässig.

Bei sehr glatten oder elastischen Stoffen reicht der Standardtransport oft nicht aus. Hier kann ein Obertransport helfen, der den Stoff von oben führt und den Vorschub unterstützt. Alternativ lässt sich mit einem Stickvlies oder einer dünnen Papierunterlage arbeiten, die den Grip erhöhen. Wichtig ist, den Stoff nicht zu ziehen oder zu schieben, denn das führt zu ungleichmäßigen Stichen und kann die Nadel beschädigen. Die Hände führen den Stoff nur locker, der Transporteur erledigt den Vorschub.

Der Transporteur selbst kann verschmutzt oder abgenutzt sein. Staub, Fadenreste und Kleberückstände setzen die Zähne zu, sodass sie keinen Halt mehr finden. Die Reinigung mit einem Pinsel und bei Bedarf mit einem milden Reiniger gehört zur regelmäßigen Wartung. Sind die Zähne abgerundet oder abgebrochen, hilft nur der Austausch. Dabei darauf achten, dass der neue Transporteur exakt zum Modell passt, denn Höhe und Zahnform unterscheiden sich je nach Hersteller und Bauart.

Ein häufiger Fehler ist die falsche Nadel. Eine stumpfe oder verbogene Nadel sticht nicht sauber ein, der Stoff wird nicht durch die Stichplatte geführt und der Transporteur schiebt ihn seitlich weg. Die Nadel muss zur Stoffart passen: feine Nadeln für Seide und Chiffon, kräftige für Leder und Denim. Auch die Stichlänge spielt eine Rolle. Eine zu kurze Stichlänge bei dickem Stoff führt dazu, dass die Zähne den Stoff nicht mehr greifen, weil sie zu schnell wieder eintauchen. Eine zu lange Stichlänge bei dünnem Stoff lässt den Vorschub unregelmäßig werden.

Ein Transporteur, der den Stoff nicht fasst und ihn stattdessen zur Seite drückt, ist ein häufiges Problem an Nähmaschinen mit Obertransport oder an Modellen mit einfachem Untertransport. Bevor Werkzeug zum Einsatz kommt, lohnt sich eine systematische Prüfung. Zuerst den Stoffwechsel prüfen: Bei den meisten Maschinen lässt sich der Transporteur über einen Hebel oder eine Stellschraube absenken und anheben. Steht der Hebel auf „unten", fehlt der Druck, und die Zähne greifen nicht. Das ist keine Störung, sondern eine Einstellung für Freihandsticken oder Stopfarbeiten.

Transporteur und Nähfußdruck richtig einstellen Der Nähfußdruck ist die zweite entscheidende Größe. Zu geringer Druck lässt den Stoff unter dem Füßchen durchrutschen, der Transporteur hebt die Fasern an, ohne sie weiterzuschieben. Zu hoher Druck hingegen klemmt den Stoff, der Transporteur hinterlässt Spuren und der Vorschub stockt. Bei den meisten Maschinen wird der Druck über eine Stellschraube am Kopf oder über einen Drehknopf geregelt. Als Ausgangspunkt gilt: Der Stoff soll sich mit leichtem Widerstand unter dem Füßchen bewegen lassen, ohne dass sich Wellen bilden. Bei dünnen, glatten Stoffen ist weniger Druck nötig, bei festen Geweben wie Jeans oder Canvas mehr.

Warum Nadel und Stich den Stoff nicht retten, wenn die Wahl falsch war Für Webware eignen sich Universal- oder Mikrotex-Nadeln mit feiner Spitze. Jersey verlangt Kugelspitzen, die die Maschen nicht aufspießen, sondern zwischen ihnen hindurchgleiten. Ein typischer Fehler ist der Einsatz einer Universalnadel auf Jersey: Sie durchtrennt einzelne Maschen, das Gestrick läuft auf, und nach wenigen Wäschen zeigen sich Laufmaschen. Beim Stich gilt Ähnliches. Webware verträgt Geradstich und Overlock. Jersey braucht einen dehnbaren Stich, einen schmalen Zickzack oder eine Overlock mit Differenzialtransport. Wer Jersey mit Geradstich näht und den Faden straff spannt, erzeugt eine Naht, die unter Spannung bricht.